REGIONALE CHEMOTHERAPIE

Bei der Regionalen Chemotherapie (RCT) handelt es sich um ein innovatives und schonendes Verfahren zur effizienten Tumorkontrolle bei Krebspatient:innen. Ziel des Verfahrens sind die Verlängerung der Lebenszeit sowie die Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatient:innen.

 

Angewendet wird die RCT unter anderem bei AnalkrebsKopf-Hals-TumorenBauchspeicheldrüsenkrebsBrustkrebs, 
EierstockkrebsGebärmutterhalskrebsGallengangskrebs,  HautkrebsSpeiseröhrenkrebs,  MagenkrebsOsteosarkom und dem Pleuramesotheliom.



FAQs zur Regionalen Chemotherapie

Was ist eine Regionale Chemotherapie?

Die Regionale Chemotherapie (RCT) ist ein innovatives Verfahren zur effizienten Tumorkontrolle bei Krebspatient:innen, das am Medias Klinikum angewendet wird. Dabei wird das Chemotherapeutikum gezielt über die Arterie verabreicht, die den Tumor versorgt. So erreicht der Wirkstoff eine vielfach höhere Konzentration im Tumorgewebe. Da der Wirkstoff nach der Tumorpassage wieder aus dem Blut gefiltert wird, treten typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie wie Haarausfall, Übelkeit, Schleimhautschäden oder Knochenmarkssuppression kaum oder gar nicht auf. Knochenmarkssuppression bedeutet: Der Körper produziert vorübergehend zu wenige Blutzellen.

Wie unterscheidet sich die Regionale Chemotherapie?

Die Regionale Chemotherapie (RCT) wirkt gezielter und verursacht deutlich weniger Nebenwirkungen als die klassische, systemische Chemotherapie. Bei der klassischen Chemotherapie durchströmt das Chemotherapeutikum den gesamten Körper und schädigt auch gesundes Gewebe. Bei der regionalen Chemotherapie wird der Wirkstoff gezielt über die Arterie verabreicht, die den Tumor versorgt. So können im arteriellen Kreislauf teilweise bis zu 80-fach höhere Konzentrationen erreicht werden. Nach der Tumorpassage wird das Chemotherapeutikum durch die sogenannte Chemofiltration, ein spezielles Filterverfahren, wieder aus dem Blut entfernt. Dadurch treten typische Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit oder Schleimhautschäden kaum oder gar nicht auf. In 95 Prozent aller Fälle wird die Behandlung gut bis sehr gut vertragen.

Bei welchen Krebserkrankungen wird die Regionale Chemotherapie eingesetzt?

Die Regionale Chemotherapie (RCT) kann bei soliden Tumoren eingesetzt werden. Das sind Krebserkrankungen, die ihren Ursprung in festen Geweben oder Organen haben. Gute Ansprechraten zeigen sich bei Kopf-Hals-Tumoren, Tumoren der Bronchien sowie Tumoren der Pleura (Rippenfell), bekannt als Pleuramesotheliom, sowie bei Brustkrebs mit und ohne Metastasen. Auch bei Tumoren des Magens, der Speiseröhre, der Leber, der Gallenwege, der Bauchspeicheldrüse, der Blase, der Prostata, der Eierstöcke, des Gebärmutterhalses und Tumoren im Analbereich wird diese Methode erfolgreich eingesetzt. Ob die Regionale Chemotherapie für Sie geeignet ist, wird am Medias Klinikum immer individuell geprüft.

Für wen ist die Regionale Chemotherapie geeignet?

Die Regionale Chemotherapie (RCT) eignet sich besonders für Patient:innen, deren Tumor gut durchblutet ist und über eine Arterie gut erreicht werden kann. Auch Patient:innen, die nicht ausreichend auf die klassische Chemotherapie angesprochen haben oder bei denen der Tumor bereits Resistenzen entwickelt hat, können von der bis zu 80-fach höheren Wirkstoffkonzentration profitieren. Wir beraten auch Patient:innen, die eine Zweitmeinung suchen. Ob die Regionale Chemotherapie für Sie infrage kommt, klären wir am Medias Klinikum in einem individuellen Gespräch. Kontaktieren Sie uns gerne unter +49 (0) 8677 / 9160-0 oder [email protected].

Was macht das Medias Klinikum zum Spezialisten für Regionale Chemotherapie in Deutschland?

Das Medias Klinikum in Burghausen, Bayern, ist eine auf Onkologie spezialisierte Privatklinik mit dem Schwerpunkt Regionale Chemotherapie (RCT). Seit der Gründung hat das Medias Klinikum mehr als 20.000 Behandlungen mit der Regionalen Chemotherapie durchgeführt. Die Klinik wird von Prof. Dr. Karl R. Aigner geleitet. Er ist Ärztlicher Direktor und Chefarzt des Medias Klinikums und gilt seit über 40 Jahren als einer der weltweit führenden Pioniere der Regionalen Chemotherapie. Seine klinischen Ergebnisse sind in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen dokumentiert. Das Medias Klinikum ist aktiv in Forschung, Lehre und der internationalen Ausbildung onkologischer Chirurg:innen und kooperiert auf nationaler Ebene mit dem Netzwerk Genomische Medizin (NGM) Lungenkrebs der Kölner Lungenkrebsgruppe (LCGC) und dem Institut für Pathologie im Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) am Universitätsklinikum Köln.

Wie läuft die Behandlung ab und wie viele Sitzungen sind notwendig?

Die Regionale Chemotherapie (RCT) wird in Zyklen durchgeführt. Da jeder Tumor unterschiedlich auf die Behandlung anspricht, variieren sowohl die Anzahl der Zyklen als auch die Behandlungstage pro Zyklus. In der Regel sind zwei bis sechs Zyklen notwendig, wobei pro Monat ein Zyklus stattfindet. Jeder Zyklus umfasst einen etwa einwöchigen stationären Aufenthalt. Am ersten Tag erfolgen Aufnahme, ärztliche Untersuchung und Aufklärung. Ab dem zweiten Tag beginnt die eigentliche Behandlung. In der Regel können Patient:innen wenige Stunden nach dem Eingriff oder spätestens am Folgetag wieder aufstehen. Am letzten Tag findet eine Abschlussuntersuchung statt, bevor Sie entlassen werden. Den genauen Behandlungsplan legen wir individuell mit Ihnen fest.

Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für die Regionale Chemotherapie?

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Regionale Chemotherapie (RCT) in der Regel nicht. Eine Ausnahme ist nur in seltenen Einzelfällen möglich, wenn die strengen Bedingungen des sogenannten Nikolausbeschlusses erfüllt sind. Dieser Beschluss ist eine gesetzliche Regelung, die Versicherten in bestimmten Ausnahmesituationen Zugang zu Behandlungen außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung ermöglicht. Einen allgemeinen Anspruch auf Kostenübernahme gibt es nicht. Privatversicherte Patient:innen haben grundsätzlich bessere Chancen auf eine Kostenübernahme. Wir empfehlen allen Patient:innen, die Kostenfrage frühzeitig mit ihrer Krankenkasse zu klären. Das Medias Klinikum begrüßt auch internationale Patient:innen und bietet mehrsprachige Betreuung. Patient:innen aus dem Ausland können unter bestimmten Voraussetzungen eine Kostenerstattung über ihre private, Patienten aus den USA auch über die PPO-Versicherung beantragen. Bei allen Fragen zur Kostenübernahme unterstützen wir Sie gerne. Sprechen Sie uns an unter +49 (0) 8677 / 9160-0 oder [email protected].

Wie bekomme ich einen Termin und wie schnell?

Das Medias Klinikum ist auf verschiedenen Wegen erreichbar: telefonisch unter +49 (0) 8677 / 9160-0, per E-Mail an [email protected] oder über das Kontaktformular auf unserer Website. Wir bemühen uns, Ihnen schnellstmöglich einen Termin zu ermöglichen. Für eine Erstbeurteilung bitten wir Sie, uns vorab aktuelle Befundberichte, Arztbriefe sowie Bildgebungen wie CT- oder MRT-Aufnahmen zukommen zu lassen. Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto schneller können wir den nächsten Schritt gemeinsam planen.


Weiterführende Informationen


Chirurgisches Team, das in OP-Kleidung bei einer Operation konzentriert arbeitet, mit Fokus auf eine Person, die sich über den Patienten beugt.

Verfahren, Anwendung und Vorteile

Durch mitunter erhebliche Nebenwirkungen sind der Chemotherapie bei intravenöser systemischer Anwendung hinsichtlich der Dosierung von Zytostatika klare Grenzen gesetzt. Bei Tumoren, die nur auf sehr hohe Konzentrationen einer Medikation ansprechen kann es unter einer systemischen Chemotherapie zum Ausbleiben oder einer nur geringen Ansprache des Tumors kommen. Nach wiederholten Chemotherapien entstehen oft Resistenzen, die dann aufgrund der systemischen Toxizität nicht durch eine Dosissteigerung behandelt werden können. Durch die nur lokale arterielle Anwendung der Regionalen Chemotherapie können z.T. bis zu 80-fach höhere Konzentrationen der tumorwirksamen Medikation im arteriellen Kreislauf erreicht und nach der Tumorpassage über eine Chemofiltration wieder entfernt, um systemische Toxizität zu vermeiden.

Durch die hohe lokale Konzentration des Chemotherapeutikums während der Behandlung wird oft eine drastische Reduzierung der Tumorgröße oder komplette Regression, auch von lokalen Metastasen erreicht. Die verbleibende Tumormasse kann dann leichter operativ entfernt werden. Die Regionale Chemotherapie kommt in verschiedenen Modifikationen zum Einsatz.


Gute Wirksamkeit der Regionalen Chemotherapie bei soliden Tumoren

Die Regionale Chemotherapie kann bei soliden Tumoren angewandt werden. Allerdings sprechen nicht alle Tumorarten gleich gut auf eine lokal hochkonzentrierte Therapie an. Gute Ansprechraten zeigen u.a. Kopf-Hals-Tumore, das Mammakarzinom mit und ohne und Metastasen, das Cholangiozelluläre und Hepatozelluläre Karzinom, das Pleuramesotheliom sowie Karzinome von Pankreas, Blase, Prostata, Ovarien und deren Metastasen.

 

In der Regel ist etwa die sechsfache Konzentration der Medikation notwendig ist, die mit einer systemischen Chemotherapie erreicht werden kann, um eine nachhaltige Zytotoxizität in soliden Tumoren zu erzielen. Mit den verschiedenen Techniken der Regionalen Chemotherapie können im Tumor drei- bis zehnfach, im Extremfall bis zu achtzigfach höhere Konzentrationen der Zytostatika erreicht werden.

 

Welche der Techniken zum Einsatz kommt, muss jeweils individuell evaluiert werden. Primäres Ziel der Regionalen Chemotherapie ist die Reduktion der Tumormasse, um eine operative Resektion zu ermöglichen und einen Eingriff so klein wie möglich zu halten. Im Idealfall kann es aber auch ohne Operation durch eine Regionale Chemotherapie zur Remission des Tumors kommen. Zentrales Kriterium für den Therapieerfolg ist eine gute Vaskularisierung (Durchblutung) des Tumors, denn bei schlecht vaskularisierten Tumoren kann auch über eine arterielle Infusion oder isolierte Perfusion (teilweise auch transarterielle Chemoperfusion oder TACP genannt) nur eine geringe zytostatische Wirkung erzielt werden.

Faktoren, die die Vaskularisierung eines Tumors negativ beeinflussen können, sind Narbenbildung durch vorherige chirurgische Eingriffe, vor allem aber die lange zurückliegende Radiotherapie, wie Studien belegen.

Blaue Silhouette eines Menschen mit Kreisen zur Markierung von Kopf-Brust, Bauch, Becken und Extremitäten, beschriftet mit ‚Isolierte Therapie‘.

Vorteile der Regionalen Chemotherapie

Die zwei wesentlichen Vorteile der Regionalen Chemotherapie sind die hohen zytostatischen Konzentrationen, die im Tumorgewebe erzielt werden können sowie die nur geringen systemischen Nebenwirkungen durch die lokale oder regionale Anwendung mit anschließender Chemofiltration der Medikation zur Reduktion der systemischen Toxizität. In 95 Prozent aller Fälle wird die Regionale Chemotherapie (RCT) daher von Patienten gut bis sehr gut vertragen.

Durch die geringen Nebenwirkungen wird die Lebensqualität wenig beeinträchtigt bzw. nach der Behandlung durch eine häufig schnelle Regression des Tumors verbessert. So werden z. B. Übelkeit und Erbrechen nach der Behandlung äußerst selten beobachtet.


Techniken der Regionalen Chemotherapie

Die Regionale Chemotherapie kann – je nach Fragestellung – mit verschiedenen Techniken durchgeführt werden. So kann eine arterielle Infusion mit einem Angiokatheter erfolgen, der unter lokaler Betäubung in die A. femoralis in der Leistenregion eingeführt, bis zum Tumor vorgeschoben und dort platziert wird. Bei einer zweiten Methode wird ein arterieller Portkatheter in das Blutgefäß implantiert, das den Tumor versorgt. Mit dieser Methode kann der Tumor so oft wie nötig arteriell infundiert werden, ohne dass jeweils erneute Eingriffe erfolgen müssen. Die Chemoembolisation stellt ein drittes Verfahren der Regionalen Chemotherapie dar. Sie wird vor allem bei Tumoren und Metastasen der Leber eingesetzt. Dabei werden die Kapillare in der Tumorregion mit Mikropartikeln temporär verschlossen und das Zytostatikum im Tumorbereich gehalten und die Einwirkzeit verlängert. Infolge des geblockten Blutflusses entsteht im Gewebe eine Hypoxie, die bei bestimmten Zytostatika die zytotoxische Wirksamkeit erhöht. Schließlich kann die Regionale Chemotherapie noch als isolierte Perfusion im Rahmen einer Operation chirurgisch durchgeführt werden. Dabei wird ein Organ oder einer Körperregion mit Kathetersystemen vom Blutkreislauf isoliert und anschließend mittels einer externen Pumpe mit einer hohen Zytostatikakonzentration durchströmt. Gleichzeitig oder unmittelbar vorher kann dem Tumor Wärme zugeführt werden (Hyperthermie) und/oder der Sauerstoffgehalt des Blutes nach Gabe des Zytostatikums herabgesetzt werden (Hypoxie). Dies bewirkt bei einigen Zytostatika eine bis zehnfach höhere Wirkung (Toxizität) am Tumor. Die isolierte Perfusion kann an den Extremitäten, am Thorax und Kopf, im Abdomen, im Becken sowie an der Leber durchgeführt werden.

Bei allen Techniken der Regionalen Chemotherapie kann nach Ende der isolierten Perfusion eine Chemofiltration eingesetzt werden, mit der die Zytostatika partiell aus dem Blut gefiltert und so die systemische Toxizität gesenkt bzw. verhindert wird. Durch die Chemofiltration treten unter Regionale Chemotherapie wenig bis kaum Nebenwirkungen auf.

Chirurgischer Eingriff: Ein arterieller Portkatheter wird von Händen in OP-Handschuhen in eine offene Wunde eingesetzt.

Arterieller Portkatheter


Techniken im Einzelnen

Welche Techniken der Regionalen Chemotherapie gibt es?

Wir wenden im Rahmen der Regionalen Chemotherapie verschiedene Techniken an.

Sie sind so gestaltet, dass das Ausmaß der operativen Eingriffe so gering wie möglich gehalten wird.

Lächelnde Krankenschwester in blauer Uniform, die sich im Krankenzimmer zu einer Patientin hinunterbeugt, die in einem Bett liegt. Daneben eine blaue Silhouette einer sitzenden Person mit Kreis, der ein Zitat über lokale Therapie enthält.

1. Intraarterielle Chemoinfusion über Angiokatheter

Lokale Chemotherapie mit besonders hoher Zielgenauigkeit: Die intraarterielle Zytostatikainfusion ist ein spezielles Verfahren der lokalen Chemotherapie. Dabei wird ein Krebsmedikament (Zytostatikum) direkt in die Arterie eingebracht, die den Tumor hauptsächlich versorgt. Dadurch erreicht das Medikament den Tumor in deutlich höherer Konzentration als bei einer herkömmlichen systemischen Chemotherapie – während der restliche Körper weniger belastet wird. 

Wie funktioniert die Behandlung?

 

  1. Gefäßzugang:
    Über einen kleinen Einstich in örtlicher Betäubung, meist in der Leiste, führt der Arzt einen dünnen Katheter in die entsprechende Arterie ein.
  2. Platzierung am Tumor:
    Der Katheter wird unter Röntgenkontrolle bis in das Gefäßsystem des Tumors vorgeschoben.
  3. Abgabe des Zytostatikums:
    Das Medikament wird über einen bestimmten Zeitraum direkt in die tumorversorgende Arterie infundiert.
    Dadurch gelangt es gezielt und in hoher Konzentration in das Tumorgewebe.

Bei manchen Patientinnen und Patienten kann auch ein kleiner Portkatheter dauerhaft implantiert werden (siehe Abschnitt 2).

 

Vorteile:

  • Kleiner Eingriff
  • Gezielte Medikamentenwirkung direkt am Tumor
  • Höhere lokale Wirkstoffkonzentration bei geringerer Belastung des übrigen Körpers
  • Weniger systemische Nebenwirkungen
  • Gute Verträglichkeit und schnelle Erholungszeit
  • Kann mit anderen Therapieverfahren kombiniert werden, z. B. mit der isolierten Perfusion

Nachteil:

  • Patientinnen und Patienten sollten während der Therapie (ca. 3 - 4 Tage) das Bett nicht verlassen

Ablauf des Eingriffs

  • Der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung und ist für Patientinnen und Patienten  gut tolerierbar.
  • Die Therapie erfolgt als Kurzzeitinfusion.
  • Ein kurzer stationärer Aufenthalt ist notwendig, vor allem zur Überwachung und Kontrolle der Verträglichkeit.

Wann wird die Therapie eingesetzt?

Die intraarterielle Zytostatikainfusion kann sinnvoll sein bei:

  • Tumoren, die über bestimmte Arterien gut zu erreichen sind (z. B. Leber, Kopf-Hals-Bereich, gelegentlich andere Regionen)
  • Erkrankungen, bei denen eine systemische Chemotherapie nicht ausreichend wirkt oder vermieden werden soll
  • Situationen, in denen eine lokale Tumorkontrolle besonders wichtig ist
  • Patientinnen und Patienten, die eine möglichst gezielte, organbezogene Therapie benötigen

Ob diese Methode für Sie geeignet ist, wird individuell anhand der Tumorart, Lage und Ihrer allgemeinen Gesundheit entschieden.


Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nach der Behandlung können kurzfristig folgende Beschwerden auftreten:

  • Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
  • Leichter Druck oder Wärmegefühl im behandelten Gebiet
  • Selten Übelkeit oder grippeähnliche Symptome

Die meisten Nebenwirkungen sind aufgrund der lokalen Behandlung des Tumors deutlich geringer als bei der klassischen systemischen Chemotherapie. Das Verfahren kann auch um die Chemofiltraiton, d. h. Blutwäsche, ergänzt oder mit anderen lokoregionalen Verfahren wie der isolierten Perfusion (siehe Punkt 4: Isolierte Perfusion) kombiniert werden. 

Regelmäßige Nachuntersuchungen, Blutkontrollen und bildgebende Verfahren gehören zur Therapieplanung und Verlaufskontrolle. 


2. Intra-arterielle Chemoinfusion über chirurgisch implantierten Portkatheter

Bei dieser Methode wird im Rahmen einer Operation ein arterieller Portkatheter direkt in das Gefäß, das den Tumor versorgt, implantiert. So ist es möglich, den Tumor so oft wie nötig zu behandeln, ohne dass ein erneuter Eingriff vorgenommen werden muss.

 

Wie läuft die Behandlung ab?

Diese Technik wird vor allem bei Brustkrebs angewendet. Dabei werden die Medikamente gezielt über einen speziellen Katheter in die Schlüsselbeinarterie gelegt. Durch dieses Verfahren gelangt eine hohe Konzentration des Krebsmedikaments direkt in die Brustwand, Achselhöhle und Halsseite. So werden auch alle umliegenden Lymphbahnen erreicht.

 

Vorteil: Die Patientin oder der Patient ist nach der Implantation mobil, da die arterielle Infusion über den jeweils punktierten Port erfolgt.

 

Nachteil: Operation und entsprechende Risiken.

Oberkörper einer Patientin mit sichtbar implantiertem Portkatheter unter der Haut und angeschlossener arterieller Infusionsleitung.


3. Transarterielle Chemoembolisation (TACE)

Die Transarterielle Chemoembolisation (TACE) ist ein minimal-invasives Behandlungsverfahren zur Therapie bestimmter Lebertumoren und Lebermetastasen. Sie verbindet die Wirkung eines lokal verabreichten Chemotherapeutikums mit einer gezielten Unterbrechung der Blutversorgung des Tumors. Dadurch kann das Tumorwachstum deutlich verlangsamt und der Tumor verkleinert werden – bei gleichzeitig geringer Belastung des übrigen Körpers.

 

Wann wird die TACE eingesetzt?

 

Die TACE wird vor allem bei folgenden Situationen angewendet:

 

  • Bei Leberzellkarzinom (HCC), Cholangiozelluläres Karzinom (CCC) oder Lebermetastasen wenn eine Operation nicht möglich ist
  • Zur Tumorverkleinerung, um andere Therapieoptionen (z. B. Operation) zu ermöglichen
  • Zur Verlangsamung des Tumorwachstums und Stabilisierung der Erkrankung

Ihr behandelndes Ärzt:innenteam entscheidet gemeinsam mit Ihnen, ob die TACE für Ihre persönliche Situation geeignet ist.


Wie funktioniert die TACE?

Lebertumore werden überwiegend über bestimmte Blutgefäße – die sogenannten Leberarterien – versorgt. Bei der TACE wird ein dünner Katheter über die Leistenarterie bis in die tumorversorgenden Gefäße vorgeschoben.

 

Dort werden zwei Schritte durchgeführt:

 

  1. Gezielte Abgabe eines Chemotherapeutikums direkt in den Tumor. Dadurch gelangt der Wirkstoff in hoher Konzentration genau dorthin, wo er wirken soll.
  2. Embolisation der Blutgefäße: Kleine Partikel verschließen temporär die Tumorgefäße. Dadurch verlängert sich die Kontaktzeit und der Tumor kann mehr Zytostatika aufnehmen. Dies verstärkt die Wirkung des Medikaments erheblich.

Durch diese Kombination wird das gesunde Lebergewebe weitgehend geschont.

 

 Wie läuft der Eingriff ab?

 

  • Der Eingriff erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung durch Zugabe eines Lokalanästhetikums und dauert etwa 30 bis 60 Minuten.
  • Viele Patientinnen und Patienten können kurz nach dem Eingriff wieder aufstehen und essen.

 Vorteile:

  • Lokal hohe Wirksamkeit durch direkte Behandlung des Tumors
  • Schonung des Körpers, da nur wenig Chemotherapeutikum in den restlichen Organismus gelangt
  • Kurze Erholungszeiten
  • Erhalt der Lebensqualität

Nachteil: 

  • Bei fraktionierter Anwendung ist eine Bettruhe von 3-4 Tagen erforderlich

Was können Sie nach der TACE erwarten?

 Nach der Behandlung können vorübergehend folgende Beschwerden auftreten:

 

  • Müdigkeit
  • leichter Druck oder Schmerzen im rechten Oberbauch
  • gelegentlich Fieber, selten Übelkeit

Diese Symptome sind meist gut behandelbar und klingen schnell ab. Ihr medizinisches Team begleitet Sie engmaschig – Nachuntersuchungen und bildgebende Kontrollen sind ein wichtiger Bestandteil der Nachsorge.


4. Isolierte Perfusion

Die isolierte Perfusion ist ein chirurgisches Verfahren, bei dem ein Organ oder eine Körperregion mit Kathetersystemen isoliert und diese Region anschließend mittels einer externen Pumpe mit einer hohen Zytostatikakonzentration durchströmt (perfundiert). Gleichzeitig oder unmittelbar vorher kann dem Tumor Wärme zugeführt werden (Hyperthermie) und/oder der Sauerstoffgehalt des Blutes nach Gabe des Zytostatikums herabgesetzt werden (Hypoxie). Dies bewirkt bei einigen Zytostatika eine bis zehnfach höhere Wirkung (Toxizität) am Tumor. Die Dauer des operativen Eingriffes beträgt ca. 1,5 bis 2 Stunden.

 

Resultat: Der Tumor schrumpft und nekrotisiert schneller.

Schematische Darstellung der isolierten Abdomenperfusion: Menschlicher Oberkörper mit markierten Blutgefäßen, Kathetern und externer Pumpe mit Chemofilter.

Vorteil: Größere lokale Wirkung, weitgehende Vermeidung von Nebenwirkungen durch Entgiftung mittels Chemofiltration.

 

Nachteil: Operation und entsprechende Risiken.

Folgende Organe oder Körperteile können isoliert perfundiert werden:

 

• Extremitäten (Arm, Bein)
• Brustkorb (Lungen, Thorax und Kopf)
• Abdomen (Bauch)
• Becken
• Leber

 

Zur Entfernung überschießender Mengen an Chemotherapeutika im systemischen Kreislauf wird immer nach Beendigung der isolierten Perfusionsphase die Chemofiltration eingesetzt. Die Patientin oder der Patient erfährt wenig Nebenwirkungen.


Beispiel isolierte Abdomenperfusion

Bei welchen Krebserkrankungen hilft die Regionale Chemotherapie besonders gut?

Die Indikation zur Anwendung der regionalen Chemotherapie orientiert sich daran, ob die Behandlung Erfolg verspricht oder nicht. Dies hängt von der Empfindlichkeit und der Blutversorgung (Vaskularisation) des Tumors bzw. der Metastasen ab. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch die Vorbehandlung, denn Voroperationen können durch Narbenbildung die Durchblutung des Zielgebietes stören bzw. verändern. Intensive vorangegangene Chemotherapie kann zu einer Resistenzbildung des Tumorgewebes führen. Diese Resistenz kann wiederum durch lokale Erhöhung der Zytostatikakonzentration durchbrochen werden.

 

Je größer das vom Tumor befallene Körpervolumen ist, umso geringer werden die Erfolgsaussichten, denn die verabreichte Gesamtzytostatikadosis wird immer mehr verdünnt. Wird das Chemotherapeutikum auf größere Areale verteilt, so sinkt demzufolge die am Ort des Befalls wirksame Konzentration. Dies geht einher mit geringerer Wirkung.



Regionale Chemotherapie zur Krebs-Bekämpfung ohne Angst, Schmerzen oder Nebenwirkungen

Im Spezialisten-Podcast von PRIMO MEDICO klärt Prof. Dr. Karl R. Aigner die wichtigsten Fragen im Rahmen der regionalen Chemotherapie (Transarteriellen Chemoperfusion).