MAGENKREBS

Im Jahr 2019 traten in Deutschland laut dem Krebsdatenregister bei Frauen 5.746 und bei Männern 9.131 Krebs-Neuerkrankungen mit einem Magenkarzinom auf. Weltweit stellt das Magenkarzinom die fünfthäufigste Form der Krebserkrankung dar. Das Erkrankungsalter liegt zwischen 71-76 Jahren, wobei Männer im Schnitt früher erkranken als Frauen.

 

In 40% der Fälle ist das Magenkarzinom bei der Diagnosestellung bereits metastasiert, wobei sich die Überlebensdauer trotz gegenüber anderer Krebsarten ungünstigerer Prognose positiv entwickelt hat.




Studie


Wirksamkeit der regionalen Chemotherapie beim peritoneal metastasierten Magenkrebs

Zusammenfassung

 

Eine Ausbreitung in das Bauchfell ist bei fortgeschrittenem Magenkrebs häufig zu beobachten. Ist eine systemische Chemotherapie, die den gesamten Körper mit einbezieht, erfolglos, sind nur mehr begrenzte therapeutische Optionen verfügbar. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit der Regionalen Chemotherapie beim fortgeschrittenen Magenkrebs untersucht.

 

Dabei wurden 38 Patienten mit einem peritoneal metastasierenden Magenkrebs untersucht, bei denen eine vorangegangene systemische Chemotherapie versagt hatte und eine Operation nicht möglich war. Alle Patienten unterzogen sich einer Regionalen Chemotherapie. Es wurde keine bedeutsamen behandlungsbedingten Nebenwirkungen festgestellt.

 

Die mit der Behandlung erzielte mittlere Überlebenszeit betrug 17,4 Monate, und bei zuvor bereits operierten Patienten sogar 23,5 Monate.

 

Insgesamt erwies sich die Regionale Chemotherapie als eine sichere und wirksame Therapie beim fortgeschrittenen Magenkrebs, deren Anwendung auch in weniger fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung erwogen werden sollte.


Einführung

 

Magenkrebs ist die weltweit 5-häufigste Krebserkrankung, sie zeigt meist bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose eine metastatische Ausbreitung in das Bauchfell (Peritonealkarzinose) auf. Dementsprechend ist zumeist keine heilende, sondern eine den Krankheitsfortschritt verlangsamende und die Beschwerden lindernde (palliative) Behandlung angezeigt, die oft mit einem Überleben von weniger als sechs Monaten verknüpft ist.

 

Neue systemische Chemotherapien zeigten vielversprechende Ergebnisse, auch eine Operation ist nicht mehr ausgeschlossen und diverse weitere Verfahren werden derzeit in der Therapie diskutiert.

 

Trotzdem sind die Optionen nach einem Rückfall sehr eingeschränkt, wenn eine erneute Operation nicht möglich ist, eine systemische Chemotherapie keinen Erfolg hatte und der Allgemeinzustand schlecht ist. Zudem bedingen die starken Nebenwirkungen einer systemischen Chemotherapie meist eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität.

 

Demgegenüber ist die Regionale Chemotherapie ein onkologischer Ansatz mit einem mild ausgeprägten Nebenwirkungsprofil und gleichzeitig sehr gutem Ansprechen des Tumors. Dabei wird die Therapie mit Hilfe ausgeklügelter Methoden auf eine Körperregion fokussiert, womit im Vergleich zu einer systemischen Chemotherapie eine Potenzierung der Arzneimittelkonzentration direkt am Tumor erzielt werden kann und die Gesamtdosierung des angewendeten Medikaments auf 20-50 % reduziert werden kann. Darüber hinaus können mittels der nach jedem Eingriff durchgeführten Chemofiltration (Blutwäsche/Entgiftung) geringere systemische Nebenwirkungen erreicht werden.


Ergebnisse kompakt


Nebenwirkungen 

  • Allgemeine Nebenwirkungen wie Übelkeit und Müdigkeit waren selten    oder nur mild und bedurften keiner speziellen medikamentösen Behandlung.
  • Schwere Nebenwirkungen traten nie auf.
  • 30 % zeigten eine Lymphfistel an der Leistenschnittstelle, die aber erfolgreich konventionell behandelt wurde.
  • Haarverlust, Hand-Fuß-Syndrom und Neuropathie traten nie auf.

 

Tumoransprechen

  • Das gemäß standardisierter (RECIST) Kriterien erfasste Ansprechen auf die Behandlung zeigte in 45 % der computertomographischen (CT) Nachuntersuchungen ein Teilansprechen (PR) und in 27 % der Untersuchungen eine stabile Erkrankung (SD) und in 6 der insgesamt 22 Nachuntersuchungen eine voranschreitende Erkrankung (PD).
  • Ein partielles Ansprechen trat in 30-40 % während der Behandlungszyklen 2-4 auf.
  • Eine SD wurde bei 33 % und 67 % im 2. und 3. Behandlungszyklus erreicht.
  • Ein Fortschreiten der Erkrankung wurde bei 0 %, 33 %, 17 %, 33 % und 17 % im 2., 3., 4., 5. bzw. 6. Zyklus beobachtet.

 

Überlebenszeit

  • Die mittlere Überlebensdauer der beobachteten Patienten betrug 17,4 Monate und die Überlebensraten erreichten 73 %, 27 %, 8,1 % und 5,4 % in den Jahren 1, 2, 3 bzw. 4 und blieben bei 5,4 % im Jahr 6 (Abb. 2).
  • Vor der Regionalen Chemotherapie operierte Patienten lebten im Mittel 23,5 Monate.
  • Das Überleben ab Beginn der Regionalen Chemotherapie betrug 6,7 Monate, 17,3 % (N = 7) der Patienten lebten auch noch nach einem Jahr.
  • Die vorangegangene systemische Behandlung hatte keinen großen Einfluss auf die Überlebenszeit. Auch Patienten mit inoperabler Erkrankung und zusätzlichen Metastasen an anderer Stelle bei der Erstdiagnose überlebten länger als Patienten mit Früherkennung und operativer Entfernung des Magenkrebses.
  • Patienten, die sich vor der Regionalen Chemotherapie, einer systemischen Chemotherapie unterzogen hatten, überlebten im Mittel 6 Monate, jene ohne systemische Vorbehandlung 8 Monate.
  • Im Gegensatz dazu war das Überleben von Patienten mit oder ohne systemische Vorbehandlung 20 Monate bzw. 13,5 Monate.

 

 Schlussfolgerung 

 

Die Regionale Chemotherapie bietet einen Therapieansatz mit wenig Nebenwirkungen und einem Überlebensvorteil gegenüber den derzeit empfohlenen Optionen bei metastasiertem, fortgeschrittenem Magenkrebs und ist möglicherweise auch zur Behandlung weniger fortgeschrittener Krankheitsstadien geeignet.

 


Abb. 2 Überlebensdauer der Patienten im Rahmen der Studie


Studiendesign und klinisches Setting


Es wurden 38 Patienten mit einer Regionalen Chemotherapie behandelt, die einen histologisch nachgewiesen Magenkrebs und noch keine Regionale Chemotherapie erhalten hatten. Die Studienteilnehmer waren im Mittel 54 Jahre alt (Bereich 37 bis 74), darunter 60 % Männer und 40 % Frauen. Der Allgemeinzustand (Karnofsky-Index ≤ 60 %) war meist stark eingeschränkt, 47 % der Patienten hatten einen Wasserbauch (Aszites). Alle Patienten hatten Metastasen im Bauchfell, ein Viertel auch an einer oder mehreren anderen Stellen.

Bei 18 Patienten (47 %) war zuvor eine operative Entfernung des Magenkrebses erfolgt, die Hälfte der Patienten hatte eine fehlgeschlagene systemische Chemotherapie hinter sich. 10 % hatten mehr als eine systemische Therapie erhalten, weitere 10 % hatten sich einer Strahlentherapie unterzogen und 32 % waren noch nicht therapiert.

Weitere Details dazu und zu der jeweiligen Medikation sind der Original-Studie zu entnehmen.

 

 

Originalstudie zum Download:

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Aigner et al_Efficacy of Regional Chemot
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