OVARIALKARZINOM



Das Ovarialkarzinom stellt die Hauptursache für Todesfälle aufgrund gynäkologischer Krebserkrankungen dar: Pro Jahr erkranken etwa 9.600 Frauen am Ovarialkarzinom, nur etwas über die Hälfte der Patientinnen überlebt. Folgend stellen wir Ihnen die „Regionale Chemotherapie“ als Therapieoptionen beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom vor.

 

Grundlage ist eine aktuelle Studie mit 45 Patientinnen, die an inoperablen epithelialen Ovarialkarzinomen der Stadien FIGO III und IV erkrankt sind und mit einer isolierten abdominalen arteriellen Perfusions-Chemotherapie unter hypoxischen Bedingungen behandelt wurden. Alle Patientinnen hatten vorher bereits mehrere Zyklen einer platinhaltigen systemischen Chemotherapie durchlaufen und platinresistente Rezidive entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass dieses Verfahren durch geringere Nebenwirkungen im Vergleich zur Standardtherapie zu höherer Lebensqualität bei gleichzeitig effizienter Tumorkontrolle führt und eine vielversprechende Therapieoption in späten Tumorstadien darstellt.

Ebenso möchten wir Ihnen zwei interessante Kasuistiken zu diesem Thema vorstellen. Daneben finden Sie weitere interessante Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Techniken und Anwendungsgebieten der Regionalen Chemotherapie.


Studie


Tumorkontrolle und Lebensqualität bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom nach isolierter hypoxischer abdominaler Perfusions-Chemotherapie

In der vorliegenden Studie wurden 45 Patientinnen mit fortgeschrittenem, inoperablem und platinresistentem Ovarialkarzinom der Stadien FIGO III und IV mit einer isolierten abdominalen Perfusions-Chemotherapie unter hypoxischen Bedingungen als ein Verfahren der Regionalen Chemotherapie (RCT) behandelt. Ziel war es, die vorliegende Platinresistenz durch eine lokale Applikation der Chemotherapie mit hohen Konzentrationen zu durchbrechen. Nach der Perfusion wurde eine Chemofiltration durchgeführt, um die Chemotherapeutika wieder aus dem Blutkreislauf zu entfernen. Als klinische Endpunkte der Studie wurden die Ansprechraten des Tumors auf die Therapie, die Gesamt-Überlebenszeit sowie die Lebensqualität festgelegt. Die mediane Überlebenszeit im Stadium FIGO IIIBC lag bei zwölf Monaten, im Stadium IV bei zehn Monaten. Der Tumormarker CA 12-5 sank vollständig in den Normbereich in 17,8 Prozent und zu mindestens 30 Prozent Verminderung in 55,6 Prozent der Patientinnen. Die Lebensqualität wurde über einen standardisierten Fragebogen erfasst und mit vorangegangenen Befragungen zur Lebensqualität unter vorangegangener Standardtherapie verglichen. Der durch die Peritonealkarzinose bedingte Aszites verschwand in 30 Prozent komplett und konnte bei weiteren 43 Prozent der Patientinnen substantiell reduziert werden. Auch die weiteren Parameter für Lebensqualität unter einer Chemotherapie zeigten deutliche Verbesserungen.

 

Einführung

Pro Jahr erkranken etwa 9.600 Frauen am Ovarialkarzinom. Die Letalitätsrate der Erkrankung liegt bei ca. 5.500 Patientinnen pro Jahr. Das Ovarialkarzinom stellt damit die Hauptursache für Todesfälle aufgrund gynäkologischer Krebserkrankungen dar. Die Gesamt-Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei 20 bis 30 Prozent. Hauptsächliche Ursache für die hohe Letalität und geringe Überlebensrate ist die meist erst sehr späte Diagnose, denn etwa 70 Prozent der Erkrankungen werden erst im Stadium FIGO III oder IV diagnostiziert. Während die Erkrankung in den frühen Stadien FIGO I und FIGO II gut beherrschbar ist und eine Chance auf vollständige Heilung besteht, ist die Prognose in späteren Stadien schlecht (ca. 23 Prozent mit 5-Jahres-Überleben im Stadium FIGO III und ca. zehn Prozent im Stadium FIGO IV).

 

Die Erkrankung hat damit die schlechteste Prognose aller gynäkologischen Tumorerkrankungen. Die Standardtherapie sieht in allen Stadien der Erkrankung eine möglichst vollständige operative Entfernung des Tumorgewebes mit anschließender systemischer Chemotherapie mit Carboplatin und/oder Paclitaxel vor. Zusätzlich kann eine Antikörpertherapie erwogen werden. Trotz einer initial guten Ansprechrate von 70 bis 80 Prozent kommt es bei vielen Patientinnen innerhalb von zwei Jahren zum Rezidiv, das häufig eine Resistenz gegen eine weitere platinhaltige Chemotherapie zeigt. Prognostisch sind vor allem das Stadium bei Diagnose, der nach einer Operation verbliebene Tumorrest sowie der Zeitraum bis zum Auftreten eines Rezidivs von Bedeutung. Platinresistente Rezidive innerhalb von sechs Monaten oder weniger haben einen ungünstigen Einfluss auf die Prognose und führen in der Regel zu einer Palliativsituation, da die Resistenz aufgrund der Toxizität einer systemischen Chemotherapie nicht durch weitere Dosissteigerung durchbrochen werden kann.


Studiendesign


Analysiert wurde der klinische Verlauf von 45 Patientinnen mit fortgeschrittenem inoperablem rezidiviertem Ovarialkarzinom nach isolierter abdominaler Perfusions-Chemotherapie in vier Zyklen mit 4-wöchigem Abstand. Alle Patientinnen hatten sich vorher zwischen 2006 und 2017 in einer anderen Institution einer Standardtherapie unterzogen. Die klinischen Endpunkte der Studie waren die Ansprechraten, Gesamtüberleben und Lebensqualität.

 

Alle Patientinnen zeigten Tumorprogression und hatten mindestens zwei platinbasierte systemische Chemotherapien mit Paclitaxel, Caelyx, Treosulfan oder Bevacizumab erhalten. Zwischen der letzten systemischen Chemotherapie und dem Beginn der abdominalen Perfusionstherapie lagen mindestens vier Wochen. 41 Patientinnen zeigten eine Peritonealkarzinose. Bei elf Patientinnen waren zwei Quadranten, bei 30 Patientinnen vier Quadranten betroffen. 17 Patientinnen zeigten zudem Metastasen der Leber, drei Patientinnen Metastasen auf der Milz. Lymphknotenmetastasen konnten in 13 Fällen nachgewiesen werden.

 

Klinisches Setting der Studie

Abbildung 1: Isolierte abdominale Perfusion

Die isolierte abdominale Perfusion wurde in vier Zyklen mit 4-wöchigem Abstand durchgeführt. Eingesetzt wurden, je nach Körpergewicht, 60 bis 70 mg Cisplatin, 40 bis 50 mg Adriamycin sowie 20 mg Mitomycin. Die Medikation wurde mit einer Bolusinjektion in Höhe des Diaphragmas in die abdominale Aorta appliziert. Der Abfluss in die A. Femoralis wurde beiderseits durch Druckmanschetten verhindert, der venöse Rückfluss durch einen Ballonkatheter in der inferioren Vena Cava (siehe Abb. 1). Die Therapie wurde für 15 Minuten unter hypoxischen Bedingungen durchgeführt, da Mitomycin und Adriamycin unter diesen Bedingungen eine gesteigerte Tumortoxizität zeigen. Unmittelbar am Ende eines Zyklus wurde die Chemofiltration gestartet, um so eine systemische Toxizität zu verhindern. Leukozyten und Thrombozyten wurden regelmäßig kontrolliert. Das Ansprechen des Tumors auf die Therapie wurde gemäß der RECIST-Kriterien evaluiert und mittels Computertomografie, MRT und PET kontrolliert.

Ergebnisse

 

1. Überleben und Tumoransprechen

  • Der Median des progressionsfreien Überlebens lag bei allen Patienten (FIGO III und IV) bei 6,9 Monaten
  • Der Median des Gesamtüberlebens lag bei 11,3 Monaten
  • Die mediane Überlebenszeit der vorbehandelten Patientinnen mit platinresistenten Tumoren im Stadium FIGO IIIB/C lag bei 12,3 Monaten, für Patientinnen im Stadium FIGO IV bei 9,8 Monaten
  • Gemessen am Tumormarker CA 12-5 konnte ein vollständiges Ansprechen der Tumore bei 17,8 Prozent und ein partielles Ansprechen bei 55,6 Prozent der Patientinnen erreicht werden. In der Kontrolle per CT oder MRT ergaben sich hier 4,1 Prozent bzw. 54,1 Prozent
  • Die Knochenmarkssuppression war bei 43 von 45 Patientinnen gering und lag nach der Einteilung der WHO zwischen Grad 1 und 2. Zwei Patientinnen, die vorher drei bzw. vier Zyklen systemischer Chemotherapien erhalten hatten und in schlechtem Allgemeinzustand waren, zeigten eine Leukopenie und Thrombozytopenie des WHO-Grades 3

2. Arterielle und venöse Konzentration von Cisplatin und Mitomycin

Abbildung 3:

Arterielle und venöse Konzentration von Cisplatin und Mitomycin

Die Messung der Konzentration von Cisplatin und Mitomycin im Perfusionsgebiet (arteriell), im venösen Abfluss und im peripheren venösen System zeigt, dass Tumortoxizität auf den Perfusionsbereich beschränkt bleibt. Durch die Chemofiltration am Ende eines jeden Zyklus ist die Toxizität im Gesamtkreislauf stark reduziert (siehe Abbildung 3).

3. Lebensqualität

Die Lebensqualität unter und nach der arteriellen isolierten Perfusionstherapie wurde mit einem standardisierten Patientenfragebogen erfasst und die Ergebnisse mit Befragungen unter der vorangegangenen systemischen Chemotherapie verglichen. Bewertet wurden die Nebenwirkungen Übelkeit, Haarausfall, Diarrhöe, Mukositis, Müdigkeit und Erschöpfung, Gewichtsverlust sowie Appetitlosigkeit.

 

  • Bei 30 Prozent der Patientinnen konnte bereits nach zwei Zyklen kein Aszites mehr nachgewiesen werden und die damit verbundenen Nebenwirkungen wie abdominaler Druck und Schmerzen waren nicht mehr vorhanden.
  • 43 Prozent der Patientinnen berichteten eine substantielle Reduktion des Aszites und der damit verbundenen Nebenwirkungen.
  • Insgesamt bewerteten die Patientinnen alle abgefragten Nebenwirkungen unter bzw. nach der hypoxischen abdominalen Perfusions-Chemotherapie um mehr als 30 Prozent geringer, als unter der systemischen Chemotherapie (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Lebensqualität

Schlussfolgerung

Die intra-arterielle isolierte Perfusions-Chemotherapie unter hypoxischen Bedingungen stellt eine effektive therapeutische Option für bereits mehrfach unter Standardtherapie vorbehandelte Patientinnen mit fortgeschrittenem inoperablem, rezidiviertem Ovarialkarzinom und Peritonealkarzinose dar. Das Verfahren erzeugt auch bei bereits ausgebildeter Platinresistenz gute Ansprechraten bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen, die auf die erhöhte Tumortoxizität von Adriamycin und Mitomycin unter hypoxischen Bedingungen zurückgeht. Durch die anschließende Chemofiltration wird die systemische Toxizität gering gehalten und die Lebensqualität kann weitgehend erhalten werden. Im Vergleich zu anderen Studien (1) zeigen Patientinnen, die chemotherapeutisch bereits mehrfach vorbehandelt waren, nach isolierter Perfusions-Chemotherapie unter hypoxischen Bedingungen eine tendenziell längere Überlebenszeit und bessere Lebensqualität, als unter der Standardtherapie.



Download
Originalstudie
Aigner KR, Gailhofer S. Regional Chemotherapy in Recurrent Platinum-Refractory Ovarian Cancer. In: Aigner KR, Stephens FO, editors. Induction Chemotherapy – Systemic and Locoregional. Second Ed. Berlin-Heidelberg: Springer-Verlag; 2016. p. 343-354
Chapter 24_Ovarian Cancer.pdf
Adobe Acrobat Dokument 533.7 KB

PM17: Hypoxic Isolated Abdominal Perfusion Breaks through Chemoresistance in Recurrent FIGO Stage IIIC and IV Ovarian Cancer: Experience in 143 Patients with Platinum-Refractory and 25 Patients with Chemonaive Ovarian Cancers Oral Abstract, International Symposium on Regional Cancer Therapies of the Society of Surgical Oncology (SSO), 2019

 

Hypoxic isolated abdominal perfusion breaks through chemoresistance in recurrent FIGO stage IIIC and IV ovarian Cancer: experience in 143 platinum-refractory and 25 chemonaive ovarian cancer patients Abstract, European Journal of Surgical Oncology 45(2):e63-e64, February 2019

 

Markman M. Systemic Induction Chemotherapy for Advanced-Stage Epithelial Ovarian Cancer. In: Aigner KR, Stephens FO, editors. Induction Chemotherapy – Systemic and Locoregional. Second Ed. Berlin-Heidelberg: Springer-Verlag; 2016. P. 333-342

 

Monk BJ, Han E, Joseph-Cowen CA et al. Salvage bevacizumab (rhuMABVEGF)-based therapy after multiple prior cytotoxics regimens in advanced refractory epithelial ovarian cancer. Gynecol Oncol 102: 140-144, 2006


Kasuistiken

Perfusions-Chemotherapie als Therapieoption beim fortgeschrittenen Ovarialkarzinom

Beim fortgeschrittenen, peritoneal metastasierten Ovarialkarzinom gilt als Standardtherapie die Operation mit möglichst radikaler Zytoreduktion gefolgt von einer Kombinationschemotherapie mit Cis- oder Carboplatin und Taxol. Trotz der hohen Chemosensitivität mit Ansprechraten von 70 bis 80 Prozent, treten bei fast der Hälfte der Patientinnen nach initial gutem Ansprechen innerhalb von zwei Jahren Rezidive auf. Treten diese innerhalb von sechs bis zwölf Monaten auf, so ist die zu erwartende Ansprechrate auf erneute platinhaltige Chemotherapie bei 25 bis 30 Prozent einzustufen.

Die medianen progressionsfreien Überlebenszeiten nach platinhaltigen Induktionschemotherapien liegen, je nach Studienergebnissen, bei ca. 15 bis 20 Monaten, die Gesamtüberlebensraten bei ca. +/- vier Jahren.



Kasuistik 1

 

 

 

Geschlecht: Weiblich

Alter: 59 (heute), 43 bei Erstdiagnose

Diagnose

· Ovarialkarzinomrezidiv rechts, ED 03/2003

· Primärstaging: FIGO IIIC

· Ovarialkarzinomrezidiv, 2005

· Lebermetastasen, 01/2006

· Restaging: FIGO IV (01/2006)



Klinische Beschreibung

Bei der seinerzeit 43-jährigen Patientin wurde im März 2003 ein endometroides Ovarialkarzinom im Stadium FIGO IIIc diagnostiziert. Es wurde eine Hysterektomie und Adnexektomie beidseits, Omentektomie und Lymphdissektion pelvin und paraaortal durchgeführt. Es handelte sich um eine R2-Resektion mit Resttumor diaphragmal rechts. Auf die Operation folgte eine systemische Chemotherapie mit Taxol und Carboplatin in sechs Zyklen. Aufgrund eines Rezidivs wurde im Juni 2005 ein sekundäres Tumordebulking mit Restomentektomie, Splenektomie, partieller Zwerchfellresektion rechts und Pankreasschwanzteilresektion durchgeführt. Histologisch handelte es sich um ein mäßig differenziertes, teils anaplastisches Karzinom, passend zu dem endometroiden Karzinom der Ovarien mit positiven Östrogenrezeptoren und negativen Progesteronrezeptoren. Im Januar 2006 wurden erstmals Lebermetastasen und im März 2006, neun Monate nach dem sekundären Tumordebulking und genau drei Jahre nach der Erstdiagnose, eine erneute peritoneale Metastasierung diagnostiziert.

 

Regionale Chemotherapie

Am 21.03.2006 führten wir eine isolierte Oberbauchperfusion mit hypoxisch abdomineller Perfusion und gleichzeitiger Chemofiltration durch. Bei diesem Verfahren werden über die Femoralarterie und -vene sogenannte Stop-flow-Ballonkatheter in Zwerchfellhöhe platziert und beide Oberschenkel mit Blutdruckstaumanschetten blockiert. Nach Bolusinjektion der Chemotherapiekombination Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin werden Aorta und Vena cava in Zwerchfellhöhe durch die Ballonkatheter geblockt. Über die Perfusionskanäle dieser dreilumigen Katheter werden im vaskulär-isolierten Abdominalraum sehr hohe Zytostatikakonzentrationen erzielt. Die Zytotoxizität von Adriamycin und Mitomycin ist im hypoxischen Bereich, bei reduziertem pH-Wert, verzehnfacht (B. Teicher, Cancer Research, 1981). Bei ausreichender Sauerstoffsättigung initial erfolgt genügend Übertritt der Chemotherapeutika ins Gewebe, sodass nach 15-minütigem isoliertem Kreislauf über das liegende Kathetersystem die Chemofiltration angeschlossen werden kann. Diese reduziert noch bestehende Zytostatikaspiegel im systemischen Kreislauf, sodass schwere systemische Toxizität vermieden wird. Die Patientin hat diese Therapie ohne relevante Nebenwirkungen bei erhaltener Lebensqualität toleriert.

 

Zwei Monate später wurde eine Chemoembolisation der Leber über einen angiographisch platzierten A. hepatica Katheter mit denselben Substanzen angeschlossen.

 

Zusammenfassung

Der klinische Verlauf gestaltete sich komplikationslos. Der Tumormarker CA 12-5 fiel bereits nach dem ersten Zyklus der regionalen Chemotherapie von 244 kU/l auf 9 kU/l vor Beginn des zweiten Zyklus, entsprechend einer kompletten Remission, ab. Nach der Chemoembolisation der Leber wurden auch keine weiteren Therapien durchgeführt. Sämtliche Kontrolluntersuchungen bis dato blieben ohne Hinweis auf ein Rezidiv, weder im Bereich der Leber noch peritoneal.

Die Überlebenszeit bei sehr guter Lebensqualität beträgt seit Therapiebeginn 13 Jahre und 6 Monate, bei anhaltender Rezidivfreiheit seit 13 Jahren und 8 Monaten.



Kasuistik 2

 

 

 

Geschlecht: Weiblich

Alter: 48 bei Erstdiagnose

Diagnose

• Seröses Adeno-Ovarialkarzinom beidseits, G3, ED 12/2013

Staging: pT3a pN1 (80/107) pL1, pV1, FIGO IIIC

• Peritonealmetastasen 02/2014

• Mediastinale und paraaortale Lymphknotenmetastasen 11/2014PET/CT 06/2015: Lungenmetastasen



Klinische Beschreibung

Bei einer 48-jährigen Patientin mit serösem Adeno-Ovarialkarzinom beidseits vom Malignitätsgrad G3, Tumorformel pT3a pN1 (80/107) pL1, pV1, FIGO IIIC, wurde im Januar 2014 eine Hysterektomie, Adnektomie, Lymphdissektion und Omentektomie im Sinne einer Zytoreduktion durchgeführt. Von Februar bis Mai 2014 wurden insgesamt sechs Zyklen Carboplatin/Taxol, ab dem vierten Zyklus zusätzlich mit Avastin, welches bis Februar 2015 weitergegeben wurde, verabreicht. Unter Avastin-Therapie war der Tumormarker CA 12-5 bis Dezember 2014 auf 460 kU/l angestiegen. Auch nach einer ersten isolierten abdominellen Perfusion mit Cisplatin, Doxorubicin und Mitomycin C, kam es zu einem weiteren Tumormarkeranstieg auf 538 kU/l. Nach Umstellung auf Cisplatin und Novantron bei vier weiteren isolierten Perfusionen kam es zwar zu einem stetigen, aber nur zögerlichen Abfall des Markers auf zuletzt 305 kU/l. Bei einem Kontroll-PET/CT im Juni 2015 war im Abdomen kein Tumornachweis, jedoch thorakale Metastasen im Mediastinum. Nach einer darauffolgenden isolierten Thoraxperfusion mit Cisplatin, Taxotere und Novantron und Chemofiltration erfolgte ein rascher Markerabfall auf 130 kU/l im September 2015.

 

Eine weitere Perfusionstherapie erfolgte nicht aufgrund der Kostenübernahmeablehnung der Krankenkasse und die Patientin wurde in der Folge extern systemisch weitertherapiert. Nach Umstellen der Therapie auf Pembrolizumab war das Tumorgeschehen progredient, ebenso nach Topotecan und zuletzt Carboplatin und Paclitaxel. Die Patientin verstarb im März 2018 aufgrund einer Sepsis.

Zusammenfassung

Insgesamt handelt es sich um einen, trotz des Malignitätsgrades G3, sehr langen Behandlungsverlauf mit relativ gutem Ergebnis unter den regionalen Therapien, mit zwischenzeitlicher Komplettremission im Abdomen, eineinhalb Jahre nach Therapiebeginn und auch sehr gutem Ansprechen nach der ersten isolierten Thoraxperfusion mit starkem Abfall des Tumormarkers CA 12-5.


Epidemiologie

Ovarialkarzinom: Inzidenz sinkt, Mortalität bleibt annähernd konstant

Das Ovarialkarzinom macht ca. fünf Prozent der Krebserkrankungen aus und steht nach dem Mamma-, dem kolorektalen, dem Lungen- und Endometriumkarzinom damit an fünfter Stelle der onkologischen Erkrankungen bei Frauen. Pro Jahr erkranken etwa 9.600 Frauen an Karzinomen der Ovarien, rund 5.500 Frau sterben jährlich daran. Zwar ist die Inzidenz der Erkrankung in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken, die Mortalitätsrate bewegt sich aber nach wie vor relativ konstant auf hohem Niveau. Der Grund für die hohe Letalität liegt vor allem darin, dass etwa 70 Prozent der Erkrankungen erst in späteren Stadien diagnostiziert werden und sich bereits im Becken oder sogar im gesamten Abdomen ausgebreitet haben. In diesen Stadien liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate unter 40 Prozent, im Stadium FIGO IV sogar unter zehn Prozent. Das mittlere Erkrankungsalter liegt in Deutschland bei 69 Jahren, allerdings können auch weitaus jüngere Frauen am Ovarialkarzinom erkranken. Das Lebenszeitrisiko für die Erkrankung liegt bei 1,5 Prozent.

 

Das epitheliale Ovarialkarzinom stellt den häufigsten malignen Ovarialtumor dar. Rund 60 Prozent aller Tumore und 90 Prozent aller malignen Tumore entwickeln sich aus den Epithelzellen der Ovarien. Neben hormonellen Risikofaktoren wie hohe Ovulationszahlen, wenige bzw. keine Schwangerschaften oder Endometriose sind etwa zehn Prozent der Karzinome genetisch bedingt. Häufigster heriditärer Risikofaktor sind Keimbahnmutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen. Das Risiko einer Erkrankung bei einer BRCA1-Mutation liegt bei 36 bis 46 Prozent, bei einer BRCA2-Mutation bei 10 bis 27 Prozent. Weitere Risikofaktoren sind Alter und Adipositas. Protektive Faktoren sind Multiparität, lange Stillperioden, Ovulationshemmer und Tubenligaturen.

 

Die Standardtherapie des Ovarialkarzinoms sieht in allen Stadien eine möglichst vollständige operative Entfernung des Tumorgewebes mit anschließender platinhaltiger systemischer Chemotherapie vor. Trotz einer initial guten Ansprechrate von 70 bis 80 Prozent kommt es bei vielen Patientinnen innerhalb von zwei Jahren allerdings zum Rezidiv, das häufig eine Resistenz gegen eine weitere platinhaltige Chemotherapie zeigt.

Prognostisch sind vor allem das Stadium bei Diagnose, der nach einer Operation verbliebene Tumorrest sowie der Zeitraum bis zum Auftreten eines Rezidivs von Bedeutung. Platinresistente Rezidive innerhalb von sechs Monaten oder weniger haben einen ungünstigen Einfluss auf die Prognose und führen in der Regel zu einer Palliativsituation, da die Resistenz aufgrund der Toxizität einer systemischen Chemotherapie nicht durch weitere Dosissteigerung durchbrochen werden kann. Wie die hier zusammengefasste Studie zeigt, stellt die isolierte abdominale Perfusions-Chemotherapie unter hypoxischen Bedingungen insbesondere im Hinblick auf die Erhaltung der Lebensqualität und Überlebenszeiten bei mehrfach mit einer Standardtherapie vorbehandelten Patientinnen eine Therapieoption dar. Zu diskutieren wäre hier eine anschließende Therapie mit PARP-Inhibitoren.