Regionale Chemotherapie (RCT)

Hier finden Sie Antworten auf folgende Fragen:

  1. Was ist regionale Chemotherapie (RCT)?
  2. Was ist das Wirkprinzip der regionalen Chemotherapie?
  3. Was sind die Vorteile der regionalen Chemotherapie?
  4. Welche Techniken der regionalen Chemotherapie gibt es?
  5. Bei welchen Krebserkrankungen hilft die regionale Chemotherapie besonders gut?
Regionale Chemotherapie (RCT)

1. Was ist regionale Chemotherapie (RCT)?

Die regionale Chemotherapie (RCT) ist die örtliche, also auf eine Körperregion oder ein Organ beschränkte Chemotherapie. Das Medikament (Zytostatikum oder Chemotherapeutikum) wird dabei über die den Tumor oder die Tumorregion versorgende Schlagader (Arterie) zugeführt. Durch die regionale Therapie wird eine größere Menge des Zytostatikums durch den Tumor schon im Gewebe aufgenommen. Unmittelbar nach dieser Therapie wird das Blut durch Chemofiltration gewaschen und das überschüssige Medikament entfernt. So werden Nebenwirkungen für die Patienten weitgehend verhindert. Diese Beobachtung machten erstmals Anfang der fünfziger Jahre in den USA Klopp und Biermann.

2. Was ist das Wirkprinzip der regionalen Chemotherapie?

Mithilfe der regionalen Chemotherapie zielen wir darauf, den Tumor stark zu schädigen und die Nebenwirkungen für den Patienten möglichst gering zu halten. Die regionale Chemotherapie ist wirksam bei so genannten "soliden Tumoren". Aber nicht jede Tumorart spricht auf die hochkonzentrierte Chemotherapie gleich gut an.

Manche Tumore benötigen eine extrem hohe Konzentration des tumorwirksamen Medikaments, manche zeigen schon Wirkung mit niedrigeren Konzentrationen. Faustregel ist, dass etwa die sechsfache Konzentration dessen, was unter herkömmlicher systemischer Chemotherapie erreicht wird, nötig ist, um einen soliden Tumor nachhaltig zu schädigen. Mit diversen RCT-Techniken werden am Tumor drei- bis zehnfach, im Extremfall bis zu achzigfach höhere Konzentrationen der Zytostatika erzielt.

Ausschlaggebend für den Therapieerfolg ist auch die Blutversorgung des Tumors. An einem schlecht vaskularisierten (durchbluteten) Tumor kann selbst über den direkten arteriellen Weg nur wenig Zytostatikum gebracht werden. Die Durchblutung kann durch sekundäre Einflüsse gestört oder vermindert werden, etwa durch Voroperationen mit Narbenbildungen oder Vorbestrahlung.

Ziel der regionalen Chemotherapie ist es, den Tumor vor der Operation so zu verkleinern, dass der spätere operative Eingriff möglichst klein gehalten werden kann. Im besten Fall verschwindet der Tumor noch vor dem operativen Eingriff komplett.

3. Was sind die Vorteile der regionalen Chemotherapie?

Da die regionale Chemotherapie immer nur auf eine Körperregion oder ein Organ beschränkt ist, sind am Gesamtorganismus, trotz der hohen lokalen Wirkung am Tumor, insgesamt geringere und weniger Nebenwirkungen zu verzeichnen. Nicht zuletzt auch auf Grund der nach jedem therapeutischen Eingriff durchgeführten systemischen Entgiftung durch Chemofiltration vertragen in 95 % aller Fälle die Patienten die Behandlung ausgesprochen gut. Die Lebensqualität wird weniger beeinträchtigt, ggf. nach der Behandlung sogar bereits schnell verbessert. Übelkeit und Erbrechen nach der Behandlung werden äußerst selten beobachtet.

4. Welche Techniken der regionalen Chemotherapie gibt es?

Wir wenden im Rahmen der RCT verschiedene Techniken an. Sie sind so gestaltet, dass das Ausmaß der operativen Eingriffe so gering wie möglich gehalten wird.

I. Arterielle Infusion über Angiokatheter

Zur arteriellen Infusion wird ein Katheter unter lokaler Betäubung in Höhe der Leiste in die Arterie eingeführt und dessen Spitze unter Röntgenkontrolle an die Tumorregion vorgeschoben und dort platziert

Vorteil: Kleiner Eingriff
Nachteil: Patient/in kann während der Therapie (ca. 3 - 4 Tage) das Bett nicht verlassen

 

Abbildung: Angiokatheter im Truncus coeliacus zur regionalen Chemotherapie von Lebermetastasen eines Dünndarmkarzinoids. Diese Metastasen sind so gut vaskularisiert, dass sie sich mit dem arteriell applizierten Kontrastmittel darstellen lassen.

II. Arterielle Infusion über chirurgisch implantierten Portkatheter

Bei dieser Methode wird im Rahmen einer Operation ein arterieller Portkatheter direkt in das den Tumor versorgende Gefäß implantiert. So ist es möglich, den Tumor so oft wie nötig zu behandeln, ohne dass ein erneuter Eingriff vorgenommen werden muss.

Vorteil: Patient/in ist nachher mobil, da die arterielle Infusion über den jeweils punktierten Port erfolgt. Die Operation gibt besser Kenntnis über die Tumorausbreitung.
Nachteil: Operation und entsprechende Risiken

Intraarterielle Infusion bei Mammakarzinom rechts über einen Jet-Port-Allround-A.-sublavia-Katheter. Das Verfahren erlaubt eine arterielle Therapie mit hoher Zytostatikakonzentration im Bereich der rechten Brustwand, Achselhöhle und Halsseite. Somit sind auch alle Lymphabflussgebiete erfasst.

Jet-Port-Allround-A.-sublavia-Katheter. Die Katheterspitze sitzt in der Arterie, der Port (Zuspritzteil, Injektionskammer) wird unter die Haut gesetzt. Dies ermöglicht einen bequemen Zugang bei der intraarteriellen Chemotherapie.

III. Chemoembolisation

Die Chemoemobolisation wird vor allem bei Lebertumoren und -metastasen eingesetzt. Dabei werden mit Mikropartikeln feinste Blutgefäße (Kapillaren) geblockt und das Zytostatikum im Tumorbereich gehalten. Dort entsteht auch Sauerstoffmangel infolge des geblockten Blutflusses.

IV. Isolierte Perfusion

Die isolierte Perfusion wird ebenfalls im Rahmen einer Operation chirurgisch durchgeführt. Dabei wird ein Organ oder einer Körperregion mit Kathetersystemen isoliert und diese Region anschließend mittels einer externen Pumpe mit einer hohen Zytostatikakonzentration durchströmt. Gleichzeitig oder unmittelbar vorher kann dem Tumor Wärme zugeführt werden (Hyperthermie) und/oder der Sauerstoffgehalt des Blutes nach Gabe des Zytostatikums herabgesetzt werden (Hypoxie). Dies bewirkt bei einigen Zytostatika eine bis zehnfach höhere "Giftigkeit" (Toxizität) am Tumor.

Resultat: Die Geschwulst verschwindet schneller

Nachfolgende Organe oder Körperteile können isoliert perfundiert werden:

  • Extremitäten (Arm, Bein)
  • Brustkorb (Lungen, Thoraxwand und Kopf)
  • Abdomen (Bauch)
  • Becken
  • Leber

Zur Entfernung überschießender Mengen an Chemotherapeutika im systemischen Kreislauf wird immer nach Beendigung der isolierten Perfusionsphase die Chemofiltration eingesetzt - der Patient erfährt wenig Nebenwirkungen.

Isolierte Thoraxperfusion

Isolierte abdominelle Perfusion

Isolierte Beckenperfusion

Schema Isolierte Leberperfusion

Schema Isolierte Leberperfusion mit Doppelballonkathetern

5. Bei welchen Krebserkrankungen hilft die regionale Chemotherapie besonders gut?

Die Indikation zur Anwendung der regionalen Chemotherapie orientiert sich daran, ob die Behandlung Erfolg verspricht oder nicht. Dies hängt von der Empfindlichkeit und der Blutversorgung (Vaskularisation) des Tumors bzw. der Metastasen ab. Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch die Vorbehandlung, denn Voroperationen können durch Narbenbildung die Durchblutung des Zielgebietes stören bzw. verändern. Intensive vorangegangene Chemotherapie kann zu einer Resistenzbildung des Tumorgewebes führen. Diese Resistenz kann wiederum durch lokale Erhöhung der Zytostatikakonzentration durchbrochen werden.

Je größer das vom Tumor befallene Körpervolumen ist, umso geringer werden die Erfolgsaussichten, denn die verabreichte Gesamtzytostatikadosis wird immer mehr verdünnt. Wird das Chemotherapeutikum auf größere Areale verteilt, so sinkt demzufolge die am Ort des Befalls wirksame Konzentration. Dies geht einher mit geringerer Wirkung.

Die Indikation zur RCT, gemessen an den Erfolgsaussichten, teilen wir in drei Gruppen ein:

I. Tumore mit guter Ansprechrate

  • Brustkrebs (Mammakarzinom und Metastasen)
  • Kopf-Hals-Tumore
  • Magenkarzinom
  • Blasenkarzinom
  • Prostatakarzinom
  • Ovarialkarzinom
  • Cholangiozelluläres Karzinom
  • Analkarzinom
  • Hypernephrom
  • Schilddrüsenkarzinom
  • Ösophaguskarzinom
  • Carcinoide

II. Tumore mit mittelgradiger bis guter Ansprechrate

  • Bronchialkarzinom
  • Pankreaskarzinom
  • Hepatozelluläres Karzinom
  • Weichteilsarkome
  • Malignes Melanom
  • Zervixkarzinom

III. Tumore mit schlechter bis mittelgradiger Ansprechrate

  • Dickdarm- und Rektumkarzinom
  • Gallenblasenkarzinom

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Schema Prinzip der Chemofiltration

Schema Chemofiltration